Bericht von Ekke Kienemann
Nachlese
– III. Europameisterschaften der Wasserball-Senioren vom 23.–28.08.05 in
Odense
Silber gewonnen oder Gold verloren?
Seit dem Gewinn des Titels eines Vizeeuropameisters
AK55+ in Odense (Dänemark), dem wohl größten Erfolg* einer SV
Poseidon-Wasserballmannschaft in ihrer Vereinsgeschichte, sind einige
Wochen vergangen. Zeit, die ich benötigte, meine Enttäuschung zu
verarbeiten.
Vielleicht waren meine Erwartungen und die anderer
Mannschaftsmitglieder zu groß, denn alles sprach in diesem Jahr dafür,
nach den Masters Meisterschaften der Wasserballer und der erfolgreichen
nationalen Titelverteidigung in der AK55+ hier in Hamburg, auch den
kontinentalen Titel für den SV Poseidon Hamburg zu gewinnen.
Locker und gelöst ging es Richtung Norden, aber umgekehrt
proportional mit der Entfernung zum Ziel, stieg die Spannung in den
verschiedenen Fahrzeugen.
Der Spielplan bestimmte eindeutig: wir mussten in allen
Spielen in Vorlage treten, d.h. die Gegner von vorneherein unter Zugzwang
setzen. Alles übrige kam uns entgegen, die Anfangszeiten und auch die
Paarungen selbst.
Nachdem wir die Cannstatter sicher bei den WB-DMM im
Ollobad beherrscht hatten, wollten wir mit gleicher Taktik auch in Odense
so spielen. Auch diesmal gewannen wir eine sichere Führung, verspielten
diese aber fast im dritten Viertel, doch der Torhüter der Hamburger
sicherte den ersten Sieg im ersten Spiel, wenn auch knapper als alle
dachten. Im Gegensatz zum Spiel in Hamburg gaben die Württemberger weit
mehr als 100% - aber gewonnen ist gewonnen!
Nutznießer aus dem Spiel wollten die Magdeburger sein
(die sich noch nachträglich mit Ex-Nationalspielern der ehemaligen DDR
verstärkt hatten). Folglich mussten wir im zweiten Spiel gegen Magdeburg
ebenfalls gewinnen. Auch dies gelang! Aber die Gegenwehr war enorm, unser
Kontrahent verlangte uns alles ab - doch auch knapp gewonnen ist gewonnen!
Abends im Quartier strahlten alle, waren wir doch so gut wie
durch. Nur einmal noch gegen Cannstatt gewinnen - notfalls reichte ja
schon ein Unentschieden.....
An unserem spielfreien Tag trafen der SV Cannstatt und
die SG Handwerk Magdeburg aufeinander. Sah es am Anfang nach einem
harten Schlagabtausch aus, entschieden die Württemberger dann doch nach
und nach das Spiel für sich. Magdeburg hatte mit zunehmender Spieldauer
nicht viel zuzusetzen, irgendwie fehlte beiden Mannschaften der letzte Biss,
der letzte Wille.
Nun waren wir wieder dran. Natürlich hatte der SV
Cannstatt unser Spiel gegen die Mitteldeutschen geschlossen und
aufmerksam auf der Tribüne angesehen und ausgewertet und beide
Mannschaften waren sich der Bedeutung dieses Spieles bewußt. Wir setzten
auf unsere bewährte Taktik, aber Cannstatt hatte sein Spiel umgestellt.
Für uns bestand der SVC nur aus Peter Teicher, den es
best möglichst zu neutralisieren galt, ausschalten kann man ihn nicht. Dies
gelang auch, aber dafür sprangen andere in die Bresche, kompensierten so
den von uns erzwungenen taktischen Nachteil. So dominierten wieder die
Abwehrreihen und die Schützen beider Teams taten sich sehr, sehr schwer.
So kam es, wie es nie hätte kommen dürfen, die Anweisungen von der Bank
wurden nicht mehr umgesetzt, es schlichen sich Fehler ein und wir gerieten
in Rückstand. Verzweifelt versuchten wir den Spieß zu drehen, doch alle
Spielzüge unserer Mannschaft trafen auf einen gut vorbereiteten Gegner.
Nach dieser unnötigen Niederlage gegen Cannstatt war wieder
alles offen.
Jetzt warteten die Magdeburger auf uns und wollten
uns, die angeschlagenen Hamburger, endlich einmal auf einem richtigen
Turnier schlagen, nicht nur auf Spaßturnieren.
Das Spiel wogte hin und her, keiner konnte sich absetzen, die
Magdeburger spielten mit absoluter Power, verbissen und weit über ihrem
Leistungsstand. Am Ende reichte es für einen sehr knappen Sieg – wieder
dank unseres Torhüters.
In unserem Lager konnte man jetzt nur noch auf das Prinzip
Hoffnung setzen, d.h. das Magdeburg abermals über ihrem Limit spielen und
Cannstatt zumindest ein Unentschieden abtrotzen würde. Im ersten Viertel
sah es auch noch danach aus, aber mit zunehmender Spielzeit setze sich die
Überlegenheit der Süddeutschen durch, zumal einige der ‚eingeflogenen’
Exnationalspieler nicht mehr im Turnier, sondern auf dem Rückweg nach
Deutschland waren. Mit dieser Rumpftruppe konnte man den Cannstattern kein
Paroli bieten! Die Württemberger schwammen ihrem ersten großen Titel
entgegen...
„Herzlichen Glückwunsch dem Europameister - SV Cannstatt!“
Fazit: Cannstatt hatte aus allen Spielen der WB-DMM hier in
Hamburg die richtigen Lehren gezogen und diese auf der WB-EMM in Odense
umgesetzt, hat flexibel reagiert und dann auch das nötige Glück gehabt.
Wir vertrauten unseren bewährten Tugenden, hatte keinen Plan
B und so reichte es eben nicht ganz.
29.09.2005 Ekke Kienemann
*) wenn man von dem zugesprochenen Weltmeistertitel der ‚WB-Weltmasterschaft’
in Neuseeland einmal absieht!
PS (für den Stammtisch): Da der SV Cannstatt und wir am Ende
punktgleich waren, wurde entgegen der geltenden FINA-Regel weder ein
Entscheidungsspiel angesetzt, noch gelost (wenn sich dies Spiel nicht
einrichten läßt); sondern Cannstatt aufgrund der häufigeren Treffer im
sonst auch identischem Torverhältnis der Vorzug gegeben... gk
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