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Die Geschichte von
dem Jungen, den alle TUFFI nannten.
Vor
vielen, vielen Jahren lebte in Wuppertal-Barmen ein Junge, der auf
einen ordentlichen Namen hörte. Alle Leute riefen ihn bei diesem Namen. Die
Eltern und Geschwister, die Tanten und Onkel, ebenso wie die Nachbarn, die
Lehrer und die Freunde. Auch Opa und Oma nannten den Jungen so, wie er
getauft war. Doch eines schönen Tages, vor etwa einem halben Jahrhundert,
geschah etwas Merkwürdiges, etwas, das den Jungen seinen Namen vergessen
ließ :
Der Junge spielte nach
der Schule gerne mit seinen Freunden in den Ruinen der Westkotter Straße
Fangen oder Fußball in der Schwarzen Gasse. Manchmal auch im Nordpark, wo
die Mädchen Rollschuh liefen. Auch ging er gerne zum Schwimmen zur
Mählersbeck oder in die Kleine Flurstraße.
Und dort geschah dann
das, wovon diese Geschichte erzählt.
Der Junge tollte auf
dem „1er-Sprungbrett“ und hüpfte, dass dem Bademeister ob dieser Kühnheit
die Haare zu Berge standen. Die Erwachsenen waren entsetzt, weil sie ein
Unglück befürchteten. Nur die Kinder fanden das cool. ( Obwohl sie dieses
Wort ja noch gar nicht kannten ) Der Bademeister blähte seine Wangen auf
und stieß seinen Atem mit rotem Kopf in seine Trillerpfeife. Dabei ruderte
er mit seinen Armen in der Weltgeschichte umher und gab unmissverständlich
zu verstehen, dass er solche Missetat nicht dulden werde. Doch zu spät, mit
einem mächtigen Satz hüpfte der Junge bis fast an die Decke der ehrwürdigen
Schwimmhalle. Es sah so aus, als wollte er sich die Badegäste aus der
Vogelperspektive ansehen und wie ein Seeadler nach Beute Ausschau halten.
Ein wahrhaft majestätischer Anblick. Wie lange der Junge sich in dieser
luftigen Höhe aufgehalten hat, weiß niemand so genau. Alle Schwimmer und
Nichtschwimmer staunten aber nicht schlecht, als der Junge zur Landung
ansetzte und mit einem gigantischen Plitsch-Platsch ins Wasser eintauchte.
Und zwar mit dem Allerwertesten zu erst ! So eine Wasserfontäne hatte man an
der Wupper noch nie gesehen !
„Raus, raus !!“ schrie der Bademeister empört.
„Unerhört !“ bemerkte die Oma mit der gelben Badekappe. „Bin ich hier etwa
im Wellenbad ?“ scherzte ein anderer Badegast. „Eine Mega-A..bombe“, meinten
die Freunde des Jungen begeistert und forderten eine Zugabe.
Als sich die Wogen geglättet hatten und der
Wasserspiegel wieder den Erwartungen des Bademeisters entsprach, war die
zarte Stimme eines kleinen Mädchens zu vernehmen : „Wie TUFFI“ !!
Wie wer ? Wie TUFFI ?
Meinte es etwa den kleinen Elefant, den man aus der Schwebebahn in die
Wupper geschubst hatte ? Ja, den meinte das Mädchen.
War
das ein sensationeller Vergleich. Keiner hätte es treffender ausdrücken
können. Gab es für diese tollkühne Aktion überhaupt Worte ? „Wie TUFFI !“
schallte es durch die Halle und das Echo kam aus allen Ecken „Wie TUFFI !,
wie TUFFI !“
Von nun an hörte der
Junge nur noch auf diesen neuen Namen, denn alle nannten ihn TUFFI, als
hätten sie seinen richtigen Namen schon vergessen.“ Wie TUFFI“ hieß es, als
er das erste Mal vom „Zehner“ in der neuen Schwimmoper hüpfte und dieser
Name ist dem Jungen lieb geworden. Er sollte ihn auch nie mehr verlieren,
auch nicht, als er längst von der Wupper an den Rhein und später an die Elbe
gezogen ist. Immer blieb er für alle der TUFFI.
Und wenn er nicht
ertrunken ist, nennt man ihn wohl heute noch so !
Und vielleicht traut er sich auch mal mit der Schwebebahn zu schweben.
Jürgen Albiez Juni
2006 |